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::: Geschichtliches
   

Andiast besitzt eine lebendige Geschichte. Diese Seite führt Sie auf eine kleine Reise in die Vergangenheit zu den konfessionellen Streitigkeiten mit Waltensburg und der Invasion der Russen sowie weiteren Kapiteln der Andiaster Geschichte.

 
:: Bezeichnungen Andiast/Andest
 
 
 

Wem ist auf der Fahrt von Ilanz durch das Bündner Oberland hinauf auf das langgestreckte, zweigeteilte Dörfchen Andiast nicht schon aufgefallen? Der sonnige Steilhang muss schon in graurer Vorzeit gerodet und besiedelt worden sein, denn der Name Andiast/Andest wird von den Sprachforschern auf einen vorrömischen, illyrischen Wortstamm zurückgeführt. Tatsächlich war das Gebiet schon in den jüngeren Eisenzeit bewohnt, wie ein Grabfund aus dem Sommer 1962 auf den Maiensässen oberhalb des Dorfes schliessen lässt.

Die erste sichere geschichtliche Kunde von der Besiedlung des Dorfgebietes (Andeste) erhalten wir durch das bekannte Testament des Bischofes Tello aus dem Jahre 765. Darin wird unter anderem ein Hof (curtis) mit den Hörigen Maurelius, Dominicus und Donatus aufgeführt. Interessant ist, dass der lateinische Eigenname Dominicus, der sich romanisch zu „Menisch“ entwickelt hat, in der heutigen Bezeichnung des Dorfteiles „Camenisch“ weiterlebt. Die im Tello-Testament genannten Höfe lagen wohl verstreut im Umkreis des heutigen Dorfes. Längs des sanften Anhang-Einschnittes fand sich reichlich Trinkwasser vor. Vermutlich besass jeder Hof seine Quelle.

Im Jahre 1290 hatten wir mit neun Huben zu tun. Aus einigen davon entwickelten sich dann Weiler und Dorfteile. Andiast ist noch heute charakterisiert durch die sieben Dorfteile Curnengia, Capuot, Camenisch, Curtginatsch, Calaser, Vitg und Carnugl. Der Name „Curnengia“ könnte seinen Ursprung in „curtis domenica“ (Herrenhof) haben. Da liegt nämlich auch die Kirche mit dem viel älteren Turm.

 
:: Die konfessionelle Selbständigkeit im 1526

Die Kirche zu Andiast war bis zur Reformation keine selbständige Pfarrkirche. Sie war eine Filiale der Mutterkirche St. Leodegar, und damit gehörte Andiast zur Pfarrei Waltensburg. Die ökonomische Selbständigkeit hatte die Nachbarschaft bereits hundert Jahre früher angestrebt, was ein Grenzstreit, die Alpen betreffend, aus dem Jahre 1429 zu beweisen scheint.

Die Waltensburger wehrten sich vehement gegen eine Trennung, mit dem Argument, dass zwei kleine Gemeinden unmöglich je einen eigenen Priester besolden könnten. Die Andiaster aber argumentierten überzeugender und beklagten sich über die miserable geistige Betreuung durch den Waltensburger Geistlichen Cunzin. Vor Gericht in Trun bekamen sie recht. Am 8. September 1526 wurde Andiast durch Richterspruch des Oberen Bundes (des Grauen Bundes) von der Pfarrei Waltensburg – die im Begriffe war, die neue Lehre der Reformation anzunehmen – abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben. Dieser Prozess hatte zur Folge, dass in Andiast nie Tendenzen zur Einführung der Reformation aufkamen.

Noch lange waren die zwei Nachbarschaften nicht gut aufeinander zu sprechen. 1622 liessen die Andiaster eine Kirchenglocke mit der Inschrift „A furore haereticorum libera nos domini“ giessen, „Erlöse uns, o Herr, von der Wut der Ketzer“. Bis 1628 soll aber Andiast kirchlich nur eine Filiale von Rueun gewesen sein. Ob nach der Trennung von der Waltensburger Kirche die geistliche Betreuung besser wurde, ist fraglich, da Rueun ja noch weiter entfernt liegt. Der konfessionelle Streit ging dennoch weiter. Im Jahre 1682 störten einige Waltensburger eine Prozession in Andiast und Panix und wurden darum vom Waltensburger Gericht bestraft. Die Waltensburger haben sich in einer löblichen Eingabe an die reformierten eidgenössischen Stände vom 19. April 1754 beklagt, dass sie immer wieder bei der Ausübung der freien Religion durch die Nachbarschaft beeinträchtigt würden.

 
 
 

 

:: Die russische „Invasion“ unter General Suworow
 
 
 

Im Kriegsjahr 1799 berührten die Ereignisse der europäischen Geschichte auch die kleine Gemeinde Andiast handgreiflich. Am 8./9. Oktober dieses Jahres geriet die Bevölkerung in den Wirbel des Kriegsgeschehens, als der russische General Suworow mit seinem ausgehungerten Heer in Sturm und Schnee, dem Druck der Franzosen ausweichend, über den 2400m hohen Panixerpass gedrängt wurde.

Die Russen drangen auch in Andiast, vom Hunger getrieben, in die Häuser und liessen alles mitlaufen, was den Magen füllen und den Körper vor Kälte schützen konnte. So werden in Privathäusern heute noch ausführliche Listen aufbewahrt, auf denen die Tiere, die Lebensmittel, Stoffe und Kleider, Werkzeuge und Geschirr verzeichnet sind, welche die „Russers und Kreisers“ seinerzeit gestohlen hatten. „Cumpar Risch Carisch“ bezeugt, dass er selber gesehen habe, wie die Russen in ein abseits gelegenes Haus eingedrungen seien und es ausgeleert hätten, ohne dass man dagegen etwas hätte tun können.

Spenden aus den verschonten Teilen der Schweiz, aus ganz Europa und auch aus Russland halfen den ausgehungerten Menschen durch den nächsten Winter. Das einheimische Gericht „ils russers“ erinnert noch heute an die stürmische Zeit.

 

:: Landwirtschaft, Wasserzinsen & Tourismus

Die kleine Gemeinde Andiast hat in den letzten vierzig Jahren eine starke Wandlung durchgemacht. Die 1956 beschlossene Gesamtmelioration des Gemeindegebietes hat wahrscheinlich den seit Jahrhunderten grössten Eingriff in die Eigentumsverhältnisse und die weitesttragenden Veränderungen in der Bewirtschaftung des Bodens bewirkt. Diese Gesamtmelioration umfasst den Ausbau eines Flurwegnetzes von rund 50km Länge, die Güterzusammenlegung, die Trinkwasserversorgung für Haus und Stall, die Sanierung der privaten landwirtschaftlichen Ökonomiegebäulichkeiten und die Rationalisierung des Alpbetriebes durch die Erstellung der erforderlichen modernen Hochbauten.

Nachdem die durch Jahrhunderte hindurch einzige und wichtigste Einnahmequelle, der Ertrag aus dem Wald, nun beinahe ganz zu versiegen drohte, hoffte die Gemeinde, sich durch die Nutzbarmischung ihrer Wasserkräfte, des einzigen Rohstoffes neben dem Holz, finanziell erholen und anstehende Aufgaben selbständig lösen zu können.

Von 1965 an macht man die ersten bescheidenen Schritte in Richtung Wintersport und erkannte darin ein grosses Zukunftspotential. Der Verkehrsverein Waltensburg zieht den Bau von Skiliften in Scuein, Alp Dado und Siel-Buriz in Andiast in Betracht. Am 18.12.1972 wird die Erschliessung des Péz d'Artgas mit der Gründung der Skilifte und Bergbahnen Péz d'Artgas SA (heute Bergbahnen BWA AG) in Angriff genommen. Im 2003 erreichte das Unternehmen erstmals fast 6 Mio. Umsatz. Beim grössten Arbeitgeber der drei Gemeinden arbeiten heute 13 Jahres- und über 70 Saisonangestellte (ohne Schneesportschulen, die ihrerseits ebenfalls über 40 Saisonstellen bieten).

 
 
 

 

:: Zeittafel

1472

 

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Abbau von Erz in den Minen im Val dil Tschegn

     

1526

 

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Andiast löst sich von der Muttergemeinde Waltensburg ab und blieb dem katholischen Bekenntnis treu. Der konfessionelle Hader mit Waltensburg/Vuorz dauerte aber bis ins 19. Jahrhundert.

     

1850

 

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Ab diesem Jahr verkehrt 3x wöchentlich eine Pferdepost zwischen Chur und Disentis.

     

1854

 

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Geburt der Bündner Kantonsverfassung

     

1903

 

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Eröffnung der Ruinaulta/Rheinschlucht-Linie der Rhätischen Bahn

     

1925

 

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Bis dahin hat sich die Kantonsverwaltung gegen die Segnungen des motorisierten Individualverkehrs gesperrt und Autos einfach verboten. Sie galten im Bauernkanton als nervtötende „Modespielzeuge“, denen die Dorfjugend auch nach Aufhebung des Verbots noch Steine nachwarf.

     

1956

 

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Die Gesamtmelioration wird beschlossen

     

1972

 

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Gründung der Ski- und Bergbahnen „Péz d’Artgas SA“, heute Bergbahnen Brigels-Waltensburg-Andiast

     

2003

 

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Die beiden Verkehrsvereine Waltensburg/Andiast und Brigels besiegeln die jahrelange enge Zusammenarbeit unter dem Dach des Center Turistic mit der Fusion zur Brigels Waltensburg Andiast Tourismus.